STABILIZE beschreibt die Bewältigungsstrategie, innere Unsicherheit durch Kontrolle, Absicherung und das Festhalten an Erwartungen zu reduzieren. Was dir kurzfristig Sicherheit gibt, kann langfristig deine Handlungsfreiheit einschränken. Diese Strategie zeigt sich in den drei Demons Perfektion, Kontrolle und Ablehnung.
Sicherheit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Wir möchten verstehen, was um uns herum geschieht, mögliche Konsequenzen einschätzen und darauf vertrauen können, dass unsere Entscheidungen zu den gewünschten Ergebnissen führen.
Deshalb planen wir, entwickeln Routinen, setzen Standards und versuchen, Risiken frühzeitig zu erkennen.
Diese Fähigkeiten sind gerade im Unternehmertum unverzichtbar.
Ohne verlässliche Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und angemessene Kontrollen wäre es kaum möglich, ein wachsendes Unternehmen zu führen.
Doch Sicherheit kann auch zu einer psychologischen Voraussetzung werden, die erfüllt sein muss, bevor wir bereit sind zu handeln.
Dann genügt es nicht mehr, eine Entscheidung sorgfältig vorzubereiten. Wir möchten uns auch sicher fühlen, dass sie richtig ist.
Es reicht nicht mehr, dass ein Ergebnis seinen Zweck erfüllt. Es soll möglichst keine Angriffsfläche bieten.
Und manchmal reicht es nicht einmal, die eigenen Interessen angemessen zu vertreten. Wir möchten gleichzeitig sicherstellen, dass niemand negativ darauf reagiert.
Das Problem entsteht, wenn wir nicht mehr nur versuchen, tatsächliche Risiken zu begrenzen, sondern jede verbleibende Unsicherheit als etwas betrachten, das zunächst beseitigt werden muss.
Innerhalb von 9DEMONS® beschreibt STABILIZE die Schutzstrategie, innere Unsicherheit durch Absicherung, Kontrolle oder Anpassung zu reduzieren.
Anders als bei AVOID wird die belastende Situation nicht zwangsläufig umgangen. Stattdessen wird versucht, ihre Bedingungen so zu gestalten, dass sie möglichst beherrschbar erscheint.
Die Schwierigkeit liegt dabei nicht im Wunsch nach Stabilität selbst, sondern darin, wie viel Kontrolle wir benötigen, um uns ausreichend sicher zu fühlen.
Unser Gehirn nutzt Erfahrungen, um Erwartungen über zukünftige Ereignisse zu entwickeln.
Wir lernen, welche Konsequenzen bestimmte Handlungen wahrscheinlich haben, wie andere Menschen üblicherweise reagieren und welche Entwicklungen unter bekannten Bedingungen zu erwarten sind.
Diese Fähigkeit erleichtert uns die Orientierung.
Je besser wir eine Situation einschätzen können, desto gezielter lassen sich Entscheidungen vorbereiten und Ressourcen einsetzen.
Schwieriger wird es, wenn diese Erwartungen fehlen.
Unbekannte Märkte, neue Verantwortlichkeiten oder unvorhersehbare Reaktionen anderer Menschen verlangen, dass wir mit mehreren möglichen Entwicklungen rechnen, ohne genau zu wissen, welche eintreten wird.
In der Psychologie beschäftigt sich das Konzept der Unsicherheitstoleranz damit, wie Menschen Ungewissheit erleben und bewältigen.
Manche können offene Fragen vergleichsweise gut stehen lassen. Andere empfinden bereits die fehlende Gewissheit als so unangenehm, dass sie ein starkes Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen oder Absicherung entwickeln.
Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig.
Vorhersehbarkeit bedeutet, abschätzen zu können, was wahrscheinlich geschehen wird.
Kontrollierbarkeit bedeutet dagegen, den Verlauf einer Situation durch eigenes Verhalten beeinflussen zu können.
Beides hängt häufig zusammen, ist aber nicht identisch.
Saisonale Nachfrageschwankungen können gut vorhersehbar sein, obwohl ein Unternehmen ihren Verlauf kaum beeinflussen kann.
Eine neue Geschäftsidee lässt sich dagegen aktiv gestalten und testen, obwohl ihre wirtschaftlichen Ergebnisse zunächst schwer prognostizierbar sind.
Du kannst auf eine Entwicklung vorbereitet sein, ohne sie vollständig kontrollieren zu können.
Für Stabilize ist dieser Unterschied entscheidend.
Denn wer Vorhersehbarkeit mit Kontrollierbarkeit gleichsetzt, könnte versuchen, jede unklare Entwicklung durch zusätzliche Eingriffe beherrschbar zu machen.
Das kann sinnvoll sein, solange die Maßnahmen tatsächlich relevante Unsicherheit reduzieren.
Es kann jedoch problematisch werden, wenn weitere Kontrolle verlangt wird, obwohl sich die verbleibende Ungewissheit grundsätzlich nicht beseitigen lässt.
Unternehmerische Entscheidungen besitzen immer einen Anteil, der sich beeinflussen lässt, und einen Anteil, der außerhalb der eigenen Kontrolle liegt.
Du kannst deine Preise festlegen, die Qualität deiner Leistungen verbessern und deine Vertriebsprozesse optimieren.
Du kannst jedoch nicht garantieren, wie sich jeder potenzielle Kunde entscheidet.
Du kannst qualifizierte Mitarbeiter einstellen, Verantwortlichkeiten definieren und geeignete Arbeitsbedingungen schaffen.
Trotzdem wirst du nicht jede ihrer Entscheidungen und jedes Ergebnis vollständig bestimmen können.
Kontrolle über dein eigenes Handeln bedeutet nicht automatisch Kontrolle über dessen Konsequenzen.
In der Psychologie bezeichnet die Kontrollillusion (Illusion of Control) die Tendenz, den eigenen Einfluss auf bestimmte Ergebnisse zu überschätzen.
Dieser Effekt kann besonders dann relevant werden, wenn wir selbst aktiv am Geschehen beteiligt sind.
Denn Aktivität vermittelt häufig ein Gefühl von Einfluss.
Je mehr Entscheidungen wir treffen, Informationen überprüfen oder Abläufe verändern, desto stärker kann der Eindruck entstehen, dass wir das Ergebnis entsprechend genau steuern können.
Doch tatsächliche Kontrolle entsteht nicht allein durch die Anzahl unserer Eingriffe.
Gerade in komplexen Systemen sind Ursache und Wirkung nicht immer unmittelbar erkennbar.
Eine neue Marketingstrategie benötigt möglicherweise mehrere Wochen, bevor ihre wirtschaftlichen Auswirkungen ausreichend beurteilt werden können.
Wer bereits nach wenigen Tagen sämtliche Einstellungen verändert, anschließend neue Zielgruppen testet und gleichzeitig die Angebotsstruktur anpasst, verändert mehrere Einflussfaktoren auf einmal.
Dadurch wird es schwieriger, später zu erkennen, welche Maßnahme welchen Effekt verursacht hat.
Der Versuch, möglichst schnell auf jede Unsicherheit zu reagieren, kann somit die eigene Entscheidungsgrundlage verschlechtern.
Mehr Kontrolle bedeutet nicht zwangsläufig mehr Erkenntnis. Manchmal verhindert ständiges Eingreifen sogar, dass wir die Wirkung unserer Entscheidungen zuverlässig beurteilen können.
Deshalb erfordert wirksame Steuerung nicht nur die Fähigkeit einzugreifen, sondern auch die Fähigkeit, Entwicklungen ausreichend lange zu beobachten.
Nicht jede Abweichung ist ein Problem. Nicht jede Schwankung erfordert eine Korrektur. Und nicht jedes Ergebnis lässt sich durch zusätzlichen persönlichen Einsatz verbessern.
Um den eigenen Einfluss realistisch einzuschätzen, hilft es, drei Ebenen zu unterscheiden.
Direkte Kontrolle betrifft Entscheidungen und Handlungen, die wir selbst bestimmen können. Dazu gehören beispielsweise unsere Preisgestaltung, unsere Positionierung und die Auswahl eigener Maßnahmen.
Indirekter Einfluss betrifft Ergebnisse, deren Wahrscheinlichkeit wir beeinflussen können, ohne sie garantieren zu können. Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterleistung und Marktnachfrage gehören häufig in diesen Bereich.
Außerhalb unserer Kontrolle liegen Entwicklungen, deren Verlauf wir nicht selbst bestimmen können. Dazu gehören viele wirtschaftliche Rahmenbedingungen und unabhängige Entscheidungen anderer Marktteilnehmer.
Die Grenzen zwischen diesen Bereichen sind nicht immer eindeutig.
Trotzdem verändert diese Unterscheidung unsere Erwartung an die eigene Verantwortung.
Wir können verantwortlich handeln, ohne sämtliche Ergebnisse garantieren zu müssen.
Schwierig wird es, wenn wir uns nicht mehr ausschließlich an der Qualität unserer beeinflussbaren Entscheidungen messen, sondern versuchen, auch die unvermeidbare Unsicherheit ihrer Ergebnisse zu beseitigen.
Sorgfältige Vorbereitung besitzt einen klaren Zweck.
Sie soll relevante Informationen verfügbar machen, Fehler reduzieren und die Wahrscheinlichkeit guter Ergebnisse erhöhen.
Doch manchmal verändert sich die Funktion dieser Vorbereitung.
Ein Ergebnis erfüllt bereits sämtliche Anforderungen. Die wesentlichen Risiken wurden berücksichtigt. Trotzdem entsteht das Bedürfnis, ein weiteres Mal zu überprüfen, eine zusätzliche Meinung einzuholen oder noch eine Verbesserung vorzunehmen.
Der Grund muss nicht sein, dass tatsächlich relevante Informationen fehlen.
Möglicherweise fühlt sich die Person lediglich noch nicht ausreichend sicher.
Aus der sachlichen Frage „Ist das Ergebnis gut genug?“ wird die psychologische Frage „Fühle ich mich inzwischen sicher genug?“
Damit verschiebt sich der Maßstab, an dem die Absicherung beendet wird.
Objektive Qualitätskriterien können grundsätzlich überprüft werden.
Ein Vertrag enthält die notwendigen Vereinbarungen oder nicht. Eine Kalkulation berücksichtigt die relevanten Kosten oder nicht. Ein Prozess erfüllt definierte Anforderungen oder nicht.
Ein Gefühl vollständiger Gewissheit lässt sich dagegen nicht in derselben Weise überprüfen.
Selbst nach sorgfältiger Vorbereitung bleibt die Möglichkeit bestehen, etwas übersehen zu haben.
Wer deshalb weitere Kontrollen durchführt, kann zunächst zusätzliche Sicherheit erleben.
Doch sobald neue Zweifel entstehen, erscheint eine weitere Überprüfung notwendig.
So kann aus einer ursprünglich sinnvollen Maßnahme ein wiederkehrendes Absicherungsverhalten werden.
Die entscheidende Schwierigkeit liegt darin, dass jede weitere Kontrolle zwar das Sicherheitsgefühl beeinflussen kann, aber nicht zwangsläufig zusätzliche Informationen liefert.
Eine besondere Form dieser Dynamik ist das sogenannte Reassurance Seeking: das wiederholte Einholen von Bestätigung, um Zweifel oder Unsicherheit zu reduzieren.
Andere Menschen sollen bestätigen, dass eine Entscheidung richtig, ein Ergebnis ausreichend oder ein befürchtetes Risiko unwahrscheinlich ist.
Solche Rückmeldungen können wertvoll sein.
Externe Perspektiven helfen uns, Denkfehler zu erkennen und Entscheidungen sachlicher zu bewerten.
Problematisch kann es jedoch werden, wenn dieselbe Bestätigung immer wieder benötigt wird, obwohl keine wesentlichen neuen Fragen entstanden sind.
Die Zustimmung anderer reduziert dann möglicherweise kurzfristig die Unsicherheit.
Sobald der Zweifel zurückkehrt, entsteht erneut das Bedürfnis nach Rückversicherung.
Dadurch kann das eigene Vertrauen, auch ohne zusätzliche Bestätigung eine begründete Entscheidung treffen zu können, eingeschränkt bleiben.
Wer sich nur entscheiden kann, wenn andere die Entscheidung ausreichend abgesichert haben, macht seine Handlungsfähigkeit zunehmend von deren Bestätigung abhängig.
Das bedeutet nicht, dass Rückversicherung grundsätzlich schädlich ist.
Entscheidend ist, ob sie die Entscheidungsgrundlage tatsächlich verbessert oder vor allem dazu dient, ein unangenehmes Gefühl vorübergehend zu beseitigen.
Eine weitere mögliche Folge betrifft unsere Erwartungen an Unsicherheit.
Wenn wir schwierige Situationen ausschließlich unter besonders stark abgesicherten Bedingungen bewältigen, bleibt möglicherweise unklar, ob diese Absicherung überhaupt notwendig gewesen wäre.
Wir wissen dann, dass ein Ergebnis unter umfangreichen Kontrollen funktioniert hat.
Wir wissen jedoch nicht, ob es auch mit weniger Aufwand ausreichend zuverlässig gewesen wäre.
Damit kann ein problematischer Lernprozess entstehen:
Die zusätzliche Absicherung wird als Voraussetzung für den Erfolg betrachtet, obwohl ihr tatsächlicher Beitrag nicht ausreichend überprüft wurde.
In der Psychologie werden Verhaltensweisen, die eine befürchtete Erfahrung verhindern oder deren Eintritt weniger wahrscheinlich erscheinen lassen sollen, unter bestimmten Bedingungen als Sicherheitsverhalten beschrieben.
Solche Reaktionen können angemessen sein. Wenn sie jedoch dauerhaft eingesetzt werden, können sie neue Erfahrungen erschweren, die bisherige Befürchtungen relativieren würden.
Nicht jede Absicherung, nach der nichts Schlimmes passiert, war notwendig, damit nichts Schlimmes passiert.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn das Bedürfnis nach Sicherheit mit der tatsächlichen Wirksamkeit einer Maßnahme verwechselt wird.
Hohe Ansprüche können ein erheblicher Wettbewerbsvorteil sein.
Sie verbessern die Zuverlässigkeit, reduzieren Fehler und schaffen Vertrauen.
Doch ein hoher Qualitätsanspruch ist nicht automatisch mit einer wirksamen Qualitätssteuerung gleichzusetzen.
Der Unterschied liegt darin, welche Anforderungen erfüllt werden sollen und wodurch sie begründet sind.
Professionelle Standards orientieren sich am Zweck eines Ergebnisses.
Defensive Kontrolle kann dagegen dazu führen, dass persönliche Sicherheitsbedürfnisse zunehmend wie objektive Qualitätsanforderungen behandelt werden.
Nicht jede Verbesserung besitzt denselben wirtschaftlichen Wert.
Eine unvollständige Vertragsklausel kann erhebliche rechtliche Konsequenzen haben.
Eine leicht abweichende Formulierung in einer internen Präsentation ist dagegen möglicherweise vollkommen unerheblich.
Wer beide Situationen mit derselben Strenge behandelt, berücksichtigt die tatsächliche Bedeutung möglicher Fehler nicht ausreichend.
Wirksame Qualitätssteuerung benötigt deshalb klare Kriterien und angemessene Toleranzgrenzen.
Sie legen fest, welche Abweichungen akzeptabel sind und ab wann ein Eingreifen notwendig wird.
Solche Grenzen schaffen nicht nur Verlässlichkeit.
Sie ermöglichen auch, eine Aufgabe abzuschließen, ohne jede theoretisch denkbare Verbesserung ausschöpfen zu müssen.
Eine Abweichung von deinen persönlichen Vorstellungen ist nicht automatisch ein Qualitätsmangel.
Besonders relevant wird dieser Unterschied, wenn andere Menschen Verantwortung übernehmen sollen.
Delegation bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder Arbeitsschritt genauso ausgeführt wird, wie der Unternehmer ihn selbst erledigt hätte.
Entscheidend ist, ob das vereinbarte Ergebnis innerhalb der erforderlichen Qualitäts- und Risikogrenzen erreicht wird.
Wer jedoch nicht nur die Ziele, sondern auch sämtliche Vorgehensweisen bestimmen möchte, begrenzt die eigenständigen Handlungsmöglichkeiten seiner Mitarbeiter.
Verantwortung wird dann möglicherweise formal übertragen, während wesentliche Entscheidungen weiterhin von persönlicher Zustimmung abhängen.
Dadurch kann ein Unternehmen zunehmend auf die Anwesenheit und Aufmerksamkeit seines Geschäftsführers angewiesen bleiben.
Das eigentliche Problem liegt dabei nicht in der Existenz von Kontrollen.
Es liegt darin, dass persönliche Absicherung mit professioneller Steuerung verwechselt werden kann.
Gesunde Standards machen Ergebnisse zuverlässig. Defensive Kontrolle kann Ergebnisse zunehmend von deiner persönlichen Zustimmung abhängig machen.
Gerade deshalb muss zwischen dem Wunsch nach guter Qualität und dem Bedürfnis unterschieden werden, durch möglichst vollständige Kontrolle innere Unsicherheit zu reduzieren.
Nicht jeder Mensch versucht, dieselben Dinge abzusichern.
Manche konzentrieren sich auf die Qualität ihrer eigenen Ergebnisse. Andere wollen Prozesse und Verantwortlichkeiten möglichst genau steuern. Wieder andere versuchen vor allem, negative Reaktionen anderer Menschen zu verhindern.
Die gemeinsame Schutzstrategie ist die Herstellung von Sicherheit.
Unterschiedlich ist, welcher Bereich der Selbstregulation betroffen ist und was durch die Absicherung geschützt werden soll.
9DEMONS® unterscheidet innerhalb von STABILIZE drei Demons: Perfektion, Kontrolle und Ablehnung.
Bei Perfektion richtet sich die Absicherung auf die eigenen Leistungen und Ergebnisse.
Die Person möchte vermeiden, dass ihre Arbeit fehlerhaft, unzureichend oder angreifbar erscheint.
Hohe Ansprüche können dabei zunächst positive Ergebnisse erzeugen.
Problematisch wird es, wenn zusätzliche Verbesserungen immer weniger zur tatsächlichen Qualität beitragen, während der Abschluss einer Aufgabe zunehmend schwerfällt.
Ein Ergebnis muss dann nicht nur seinen Zweck erfüllen. Es soll möglichst auch jede denkbare Kritik ausschließen.
Perfektion versucht, die Unsicherheit einer Handlung durch die Qualität ihrer Vorbereitung und Ausführung zu begrenzen.
Innerhalb von 9DEMONS® betrifft diese Schutzstrategie den Regulationsbereich DRIVE.
Bei Kontrolle richtet sich die Absicherung auf Abläufe, Informationen und Verantwortlichkeiten.
Die Person möchte nachvollziehen können, was geschieht, mögliche Fehler frühzeitig erkennen und unerwünschte Entwicklungen möglichst verhindern.
Dadurch kann ein starkes Bedürfnis entstehen, persönlich eingebunden zu bleiben.
Je mehr Entscheidungen überprüft und Prozesse überwacht werden, desto stärker wird jedoch auch die eigene Aufmerksamkeit gebunden.
Aus notwendiger Steuerung kann eine dauerhafte Beschäftigung mit Details entstehen, die unter angemessenen Bedingungen auch ohne persönliche Beteiligung zuverlässig funktionieren könnten.
Kontrolle versucht, Unsicherheit durch die fortlaufende Überwachung und Steuerung von Abläufen zu begrenzen.
Innerhalb von 9DEMONS® betrifft dieser Mechanismus FOCUS.
Beim Demon der Ablehnung steht eine andere Form von Unsicherheit im Mittelpunkt.
Hier geht es nicht primär um die Qualität eines Ergebnisses oder die Beherrschung betrieblicher Prozesse.
Es geht um die Möglichkeit, Kritik, Zurückweisung oder den Verlust sozialer Akzeptanz zu erleben.
Der Schutz entsteht durch Anpassung des eigenen Verhaltens.
Eigene Standpunkte werden möglicherweise vorsichtiger formuliert, persönliche Grenzen zurückgestellt oder Entscheidungen verändert, um negative Reaktionen zu verhindern.
Rücksichtnahme und Kooperationsbereitschaft sind wichtige soziale Fähigkeiten.
Problematisch wird die Anpassung, wenn die Zustimmung anderer zunehmend zur Voraussetzung dafür wird, eigene Interessen und berechtigte Entscheidungen vertreten zu können.
Ablehnung versucht, durch die Absicherung sozialer Akzeptanz innere Stabilität herzustellen.
Innerhalb von 9DEMONS® betrifft dieser Mechanismus STATE.
Perfektion, Kontrolle und Ablehnung müssen sich äußerlich nicht ähneln.
Ein Mensch kann hohe Ansprüche an seine eigene Arbeit stellen, ohne sämtliche Abläufe anderer kontrollieren zu wollen.
Ein anderer kann im beruflichen Alltag sehr bestimmend auftreten und gleichzeitig große Schwierigkeiten haben, persönliche Ablehnung auszuhalten.
Die gemeinsame Kategorie sagt deshalb nicht aus, dass alle drei Verhaltensweisen gleichzeitig auftreten oder dass ein Mensch grundsätzlich besonders kontrollierend ist.
Sie beschreibt die mögliche psychologische Funktion hinter unterschiedlichen Reaktionen.
Bei Perfektion soll das Ergebnis möglichst wenig angreifbar sein.
Bei Kontrolle sollen Abläufe und Entscheidungen möglichst beherrschbar bleiben.
Bei Ablehnung soll die soziale Beziehung möglichst sicher erscheinen.
STABILIZE beschreibt nicht, wie streng oder angepasst ein Mensch grundsätzlich ist. Es beschreibt, auf welche Weise er versucht, Unsicherheit durch Absicherung zu regulieren.
Die Veränderung von STABILIZE bedeutet nicht, weniger sorgfältig zu arbeiten oder Risiken leichtfertig einzugehen.
Es wäre wirtschaftlich unsinnig, notwendige Qualitätskontrollen abzuschaffen oder wichtige Entscheidungen ohne angemessene Vorbereitung zu treffen.
Entscheidend ist vielmehr, die eigene Handlungsfähigkeit weniger stark davon abhängig zu machen, dass zuvor möglichst jede Unsicherheit beseitigt wurde.
Dafür braucht es eine andere Vorstellung von Sicherheit.
Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen der Fähigkeit, Fehler zu verhindern, und der Fähigkeit, mit Fehlern umzugehen.
Die erste versucht, unerwünschte Ereignisse möglichst auszuschließen.
Die zweite schafft Voraussetzungen dafür, dass ein Mensch oder eine Organisation auch dann handlungsfähig bleibt, wenn etwas anders verläuft als erwartet.
Beide Fähigkeiten sind wichtig.
Doch wer Sicherheit ausschließlich über Fehlervermeidung herstellt, bleibt darauf angewiesen, mögliche Abweichungen immer weiter zu reduzieren.
Eine zusätzliche Form von Sicherheit entsteht, wenn die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten wachsen.
Ein Unternehmen kann beispielsweise klare Verantwortlichkeiten, geeignete Kontrollpunkte und funktionierende Korrekturprozesse entwickeln.
Dadurch wird es weniger notwendig, jeden einzelnen Fehler bereits im Vorfeld persönlich auszuschließen.
Stabilität entsteht nicht nur dadurch, dass nichts schiefgeht. Sondern auch dadurch, dass du mit unerwarteten Entwicklungen angemessen umgehen kannst.
Eine weitere Veränderung betrifft den Maßstab, nach dem Vorbereitung und Absicherung beendet werden.
Solange das persönliche Sicherheitsgefühl darüber entscheidet, ob etwas ausreichend geprüft wurde, können weitere Zweifel immer neue Maßnahmen auslösen.
Hilfreicher ist es, vorab festzulegen, welche Bedingungen tatsächlich erfüllt sein müssen.
Welche Risiken sind relevant? Welche Informationen benötigen wir? Welche Qualitätsanforderungen gelten? Und welche verbleibende Unsicherheit ist unter den gegebenen Bedingungen akzeptabel?
Damit wird die Entscheidung über zusätzliche Absicherung von einem wechselnden inneren Zustand auf nachvollziehbare Kriterien verlagert.
Diese Kriterien müssen bei neuen Informationen überprüfbar bleiben.
Ihr Zweck besteht nicht darin, starre Regeln zu schaffen, sondern den Unterschied zwischen notwendiger Sorgfalt und psychologisch motivierter Zusatzabsicherung erkennbar zu machen.
Wer übermäßige Absicherung verändern möchte, muss häufig lernen, unter angemessenen Bedingungen auf einzelne Sicherheitsmaßnahmen zu verzichten.
Das kann bedeuten, ein Ergebnis freizugeben, obwohl noch kleinere Verbesserungen möglich wären.
Es kann bedeuten, anderen Menschen Entscheidungsspielraum zu überlassen, obwohl deren Vorgehensweise von der eigenen abweicht.
Oder es kann bedeuten, einen berechtigten Standpunkt zu vertreten, obwohl Zustimmung nicht garantiert ist.
Entscheidend ist dabei nicht, dass anschließend immer alles problemlos verläuft.
Es geht darum, Erfahrungen damit zu sammeln, dass verbleibende Unsicherheit nicht zwangsläufig zu den befürchteten Konsequenzen führt und dass selbst unerwünschte Ergebnisse häufig bewältigt werden können.
Solche Erfahrungen können die Erwartung verändern, dass umfassende Absicherung grundsätzlich notwendig sei.
Besonders für Unternehmer ist eine weitere Unterscheidung wichtig.
Verantwortung bedeutet, Entscheidungen sorgfältig zu treffen, ihre Konsequenzen zu berücksichtigen und bei Schwierigkeiten angemessen zu reagieren.
Sie bedeutet nicht, jedes Ergebnis vollständig bestimmen zu können.
Wer Verantwortung mit vollständiger Ergebniskontrolle verwechselt, verlangt von sich möglicherweise eine Sicherheit, die in komplexen wirtschaftlichen und sozialen Systemen nicht erreichbar ist.
Die entscheidende Fähigkeit liegt darin, den eigenen Einfluss realistisch einzuschätzen und dennoch entschlossen handeln zu können.
STABILIZE verliert seinen begrenzenden Einfluss, wenn Sicherheit nicht mehr die Voraussetzung jeder Handlung sein muss, sondern durch angemessene Vorbereitung und die Fähigkeit zur Bewältigung entsteht.
Damit bleibt Absicherung eine wichtige Ressource.
Sie wird jedoch nicht länger automatisch zur Bedingung dafür, ob eine Entscheidung getroffen, ein Ergebnis abgeschlossen oder eine persönliche Grenze vertreten werden kann.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen dem Versuch, Unsicherheit vollständig zu beseitigen, und der Fähigkeit, trotz verbleibender Unsicherheit verantwortungsvoll zu handeln.