STATE beschreibt, wie du deine Emotionen und deinen inneren Zustand regulierst. Besonders unter Druck, bei Unsicherheit oder Rückschlägen zeigt sich, wie du mit unangenehmen Gefühlen umgehst und wie stark äußere Umstände dein Handeln beeinflussen. Diesem Bereich sind die drei Demons Leere, Ablehnung und Ego zugeordnet.
Ein verlorener Auftrag ist zunächst ein wirtschaftlicher Verlust. Eine kritische Rückmeldung ist zunächst eine Information. Und eine gescheiterte Strategie bedeutet zunächst, dass ein bestimmtes Vorgehen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt hat.
Trotzdem erleben wir solche Ereignisse selten vollkommen sachlich.
Kritik kann uns persönlich verletzen. Ein finanzieller Rückschlag kann Zweifel an unseren Fähigkeiten auslösen. Und selbst kleine Misserfolge können unser Selbstvertrauen erschüttern, obwohl sie objektiv nur einen begrenzten Einfluss auf unser Unternehmen haben.
Was geschäftlich passiert, und was dieses Ereignis innerlich mit uns macht, sind zwei unterschiedliche Dinge.
Genau mit diesem Unterschied beschäftigt sich innerhalb von 9DEMONS® der Regulationsbereich STATE.
State beschreibt, wie wir unsere Emotionen und andere innere Zustände regulieren und welchen Einfluss diese Prozesse auf unser Verhalten haben.
Dabei spielen vier psychologische Ebenen eine wichtige Rolle:
Emotionen beeinflussen, wie wir bedeutsame Ereignisse erleben. Angst, Ärger, Freude oder Scham können uns auf mögliche Gefahren, unerfüllte Bedürfnisse oder wichtige persönliche Ziele aufmerksam machen.
Körperliche Aktivierung umfasst unter anderem Veränderungen von Herzschlag, Atmung, Muskelspannung und allgemeiner Erregung. Sie kann mit Belastung, aber ebenso mit Begeisterung oder erhöhter Handlungsbereitschaft verbunden sein.
Unser Selbstbild umfasst die Vorstellungen, die wir über unsere Eigenschaften, Fähigkeiten und unsere Identität entwickelt haben. Es beeinflusst, welche Erfahrungen wir als Bestätigung oder Widerspruch zu unserem Selbstverständnis erleben.
Unser Selbstwert betrifft dagegen die grundlegende Bewertung unserer eigenen Person. Er beeinflusst, welche Bedeutung wir persönlichen Erfolgen, Fehlern und der Anerkennung anderer Menschen beimessen.
Diese Ebenen sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.
Wir können emotional angespannt sein und uns trotzdem unserer Fähigkeiten sicher fühlen. Wir können fachliche Schwächen erkennen, ohne uns deshalb als Person abzuwerten. Und wir können nach außen selbstbewusst auftreten, während wir innerlich stark von der Bestätigung anderer Menschen abhängig sind.
Innerer Zustand ist deshalb weit mehr als die Stimmung, in der wir uns gerade befinden. Er wird auch davon beeinflusst, was wir über uns glauben und welche Bedeutung wir unseren Erfahrungen zuschreiben.
Dieselbe Kritik kann bei zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Reaktionen auslösen.
Der eine erlebt sie als hilfreiche Rückmeldung. Der andere empfindet sie als ungerechtfertigten Angriff auf seine Kompetenz.
Der Unterschied muss nicht darin liegen, wie selbstbewusst oder emotional die beiden Menschen grundsätzlich sind.
Entscheidend ist auch, wie sie die Bedeutung der Situation einschätzen.
In der Psychologie wird dieser Zusammenhang unter anderem durch sogenannte Appraisal-Theorien erklärt.
Sie beschreiben, wie Bewertungen eines Ereignisses mit unseren emotionalen Reaktionen zusammenhängen.
Wir beurteilen beispielsweise, ob etwas für unsere Ziele relevant ist, ob es uns bedroht, welche Verantwortung wir dafür tragen und welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen, damit umzugehen.
Diese Bewertungen müssen nicht bewusst stattfinden. Sie können schnell, automatisch und teilweise außerhalb unserer unmittelbaren Aufmerksamkeit ablaufen.
Eine öffentliche Kritik kann dadurch unterschiedliche Bedeutungen bekommen.
Sie kann als sachliche Information über eine unzureichende Leistung wahrgenommen werden. Sie kann aber auch das Gefühl auslösen, respektlos behandelt oder vor anderen Menschen bloßgestellt worden zu sein.
Obwohl die äußere Information vergleichbar ist, können die daraus entstehenden emotionalen Reaktionen erheblich voneinander abweichen.
Hinzu kommt, dass körperliche Aktivierung und gedankliche Bewertung miteinander wechselwirken.
Erhöhte Anspannung kann dazu beitragen, dass wir eine Situation als bedrohlicher erleben. Gleichzeitig kann die Bewertung einer Situation als gefährlich unsere körperliche Anspannung verstärken.
Unsere emotionale Reaktion ist deshalb kein unmittelbarer Beweis dafür, dass wir eine Situation richtig eingeschätzt haben.
Das bedeutet nicht, dass Gefühle unzuverlässig oder bedeutungslos wären.
Ärger kann auf eine tatsächliche Grenzverletzung hinweisen. Angst kann uns vor einem realen Risiko warnen. Scham kann entstehen, wenn wir gegen wichtige eigene Maßstäbe verstoßen haben.
Doch um die Angemessenheit einer Reaktion zu beurteilen, müssen wir zwischen dem Gefühl und seiner möglichen Ursache unterscheiden.
Besonders schwierig wird diese Unterscheidung, wenn ein Ereignis nicht nur unsere geschäftlichen Interessen betrifft, sondern auch unser Selbstverständnis infrage stellt.
Unternehmertum ist für viele Menschen nicht einfach ein Beruf.
Es bietet die Möglichkeit, unabhängig zu handeln, eigene Ideen zu verwirklichen und Ergebnisse zu schaffen, für die man persönlich Verantwortung trägt.
Gerade deshalb kann das eigene Unternehmen zu einem wichtigen Bestandteil der Identität werden.
Erfolge bestätigen dann nicht ausschließlich die Wirksamkeit einer Strategie. Sie können auch das Gefühl stärken, kompetent, leistungsfähig und persönlich erfolgreich zu sein.
Daran ist zunächst nichts problematisch.
Schwierigkeiten können jedoch entstehen, wenn der eigene Wert zunehmend davon abhängt, welche Ergebnisse erreicht werden oder wie andere Menschen diese Ergebnisse beurteilen.
In der Psychologie wird dieser Zusammenhang unter anderem durch das Konzept des Contingent Self-Worth beschrieben.
Gemeint ist ein Selbstwertgefühl, das in besonderem Maße an bestimmte Bedingungen geknüpft ist.
Solche Bedingungen können berufliche Leistung, finanzielle Erfolge, soziale Anerkennung oder der Vergleich mit anderen Menschen sein.
Wenn dein persönlicher Wert davon abhängt, erfolgreich zu sein, bekommt jeder geschäftliche Rückschlag eine zusätzliche Bedeutung.
Ein verfehltes Umsatzziel ist dann nicht mehr nur ein Ergebnis, das untersucht werden muss.
Es kann zum Anlass werden, die eigenen Fähigkeiten oder sogar den eigenen Wert infrage zu stellen.
Gleichzeitig können positive Ergebnisse eine starke bestätigende Wirkung entfalten.
Diese Bestätigung muss jedoch nicht dauerhaft anhalten.
Was früher als außergewöhnlicher Erfolg galt, kann mit zunehmender Erfahrung zum neuen persönlichen Maßstab werden.
Wer erstmals eine Million Euro Jahresumsatz erreicht, erlebt dieses Ergebnis möglicherweise als bedeutenden Meilenstein.
Einige Jahre später erscheint dieselbe Umsatzgröße selbstverständlich. Inzwischen werden andere Unternehmen zum Vergleich herangezogen, neue Ziele gesetzt und höhere Erwartungen entwickelt.
Die ursprüngliche Leistung hat sich nicht verändert. Ihre persönliche Bedeutung möglicherweise schon.
Daran können unter anderem soziale Vergleichsprozesse und die Anpassung eigener Erwartungen beteiligt sein.
Ein solcher Prozess ist nicht grundsätzlich problematisch. Neue Ziele und steigende Ansprüche können wichtige Voraussetzungen persönlicher Entwicklung sein.
Eine andere Dynamik entsteht jedoch, wenn der nächste Erfolg vor allem benötigt wird, um ein positives Selbstgefühl aufrechtzuerhalten.
Dann kann aus dem Wunsch nach Wachstum das Bedürfnis werden, sich den eigenen Wert immer wieder beweisen zu müssen.
Du kannst immer größere Erfolge erzielen und trotzdem zunehmend davon abhängig werden, erfolgreich zu sein.
Der entscheidende Unterschied liegt deshalb nicht in der Höhe deiner Ziele.
Er liegt darin, ob du Erfolg als etwas betrachtest, das du erreichen möchtest, oder als etwas, das du benötigst, um dich selbst ausreichend wertvoll zu fühlen.
Diese Unterscheidung wird verständlicher, wenn wir Selbstvertrauen und Selbstwert getrennt betrachten.
Selbstvertrauen bezieht sich unter anderem auf die Einschätzung unserer eigenen Fähigkeiten.
Ein Unternehmer kann überzeugt sein, schwierige Verhandlungen erfolgreich führen zu können, weil er bereits zahlreiche entsprechende Erfahrungen gesammelt hat.
Sein Selbstwert betrifft dagegen nicht nur seine Fähigkeiten, sondern die Bewertung seiner Person.
Deshalb kann jemand fachlich ausgesprochen selbstsicher auftreten und dennoch sehr empfindlich reagieren, wenn seine Kompetenz öffentlich infrage gestellt wird.
Umgekehrt können Menschen ihre eigenen Grenzen realistisch einschätzen und trotzdem einen stabilen Selbstwert besitzen.
Du musst dich nicht für außergewöhnlich halten, um dich als Mensch wertvoll zu fühlen.
Diese Unterscheidung ermöglicht es, hohe Leistungsansprüche zu verfolgen, ohne jede Bewertung der eigenen Leistung unmittelbar auf die gesamte Person zu übertragen.
Unser Selbstbild enthält Vorstellungen darüber, wer wir sind und welche Eigenschaften uns auszeichnen.
Dazu können Überzeugungen gehören, besonders entscheidungsstark, zuverlässig, intelligent oder unabhängig zu sein.
Solche Vorstellungen geben unserem Erleben Kontinuität. Sie beeinflussen aber auch, welche Rückmeldungen wir als besonders bedeutsam wahrnehmen.
Eine Kritik kann deshalb unterschiedlich schwer wiegen, je nachdem, welchen Teil unseres Selbstbilds sie berührt.
Wer sich vor allem über seine Entscheidungsstärke definiert, erlebt den Vorwurf mangelnder Führungsfähigkeit möglicherweise als besonders unangenehm.
Wer seinen persönlichen Wert stark an wirtschaftlichen Erfolg knüpft, kann auf finanzielle Rückschläge empfindlicher reagieren.
In der Psychologie beschäftigt sich die Selbstdiskrepanztheorie unter anderem damit, wie Abweichungen zwischen unserem wahrgenommenen Selbst und persönlichen Idealvorstellungen oder Verpflichtungen mit emotionalem Erleben zusammenhängen.
Je nachdem, welche Erwartungen verletzt werden, können unterschiedliche unangenehme Emotionen entstehen.
Doch nicht nur die Diskrepanz selbst beeinflusst unsere Reaktion.
Entscheidend ist auch, wie wir ihre Ursachen erklären.
In der Psychologie werden solche Ursachenzuschreibungen als Attributionen bezeichnet.
Wenn ein Vorhaben scheitert, können wir unterschiedliche Erklärungen entwickeln.
Vielleicht war die Strategie ungeeignet. Vielleicht haben sich die Marktbedingungen verändert. Vielleicht fehlten bestimmte Fähigkeiten oder notwendige Informationen.
Es ist aber auch möglich, aus einem einzelnen Misserfolg eine allgemeine Aussage über die eigene Person abzuleiten.
Aus einer falschen Entscheidung wird dann der vermeintliche Beweis, grundsätzlich schlechte Entscheidungen zu treffen.
Aus einem gescheiterten Projekt wird die Überzeugung, als Unternehmer nicht geeignet zu sein.
Besonders belastend können Ursachenzuschreibungen sein, die negative Ereignisse als Ausdruck dauerhafter und weitreichender persönlicher Defizite interpretieren.
Ein schlechtes Ergebnis kann zeigen, dass du etwas falsch gemacht hast. Es beweist nicht automatisch, dass mit dir grundsätzlich etwas falsch ist.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, persönliche Verantwortung abzulehnen.
Wer eine Fehlentscheidung getroffen hat, sollte ihre Ursachen verstehen und die Konsequenzen übernehmen.
Entscheidend ist jedoch, zwischen der sachlichen Bewertung des eigenen Verhaltens und einer pauschalen Abwertung der gesamten Person zu unterscheiden.
Gerade im Unternehmertum kann diese Fähigkeit wichtig sein.
Wer jede Kritik als Angriff auf die eigene Identität erlebt, könnte eher dazu neigen, sich zu rechtfertigen, andere abzuwerten oder unangenehme Informationen zurückzuweisen.
Damit wird es schwieriger, Rückmeldungen sachlich zu prüfen und notwendige Veränderungen vorzunehmen.
Die psychologische Herausforderung besteht deshalb nicht darin, ein ausschließlich positives Selbstbild aufrechtzuerhalten.
Sie besteht darin, auch solche Informationen über sich selbst verarbeiten zu können, die dem eigenen Wunschbild widersprechen.
Emotionen beeinflussen nicht nur, wie wir eine Situation erleben.
Sie können auch verändern, welche Informationen wir beachten, wie wir Risiken einschätzen und welche Handlungen uns naheliegend erscheinen.
In der Emotionspsychologie spricht man in diesem Zusammenhang unter anderem von Handlungstendenzen.
Damit sind Verhaltensimpulse gemeint, die durch bestimmte emotionale Zustände begünstigt werden können.
Angst kann beispielsweise die Bereitschaft erhöhen, mögliche Gefahren zu vermeiden.
Ärger kann dazu beitragen, dass wir uns stärker durchsetzen oder gegen ein wahrgenommenes Hindernis vorgehen möchten.
Scham kann den Wunsch auslösen, sich zurückzuziehen oder eine unangenehme Erfahrung vor anderen zu verbergen.
Diese Reaktionen besitzen einen möglichen funktionalen Wert.
Sie können uns helfen, schnell auf bedeutsame Situationen zu reagieren.
Problematisch werden sie vor allem dann, wenn wir ihnen folgen, ohne zu prüfen, ob die entsprechende Handlung zur tatsächlichen Situation passt.
Eine Emotion kann einen Handlungsimpuls auslösen, ohne dass dieser Impuls bereits die richtige Entscheidung darstellt.
Emotionen können außerdem beeinflussen, wie wir Informationen bewerten.
Die sogenannte Affect-as-Information-Theorie beschreibt, dass Menschen ihre momentanen Gefühle unter bestimmten Bedingungen als Information für ihre Urteile verwenden.
Ein wirtschaftliches Risiko kann nach einer Reihe positiver Erfahrungen weniger bedrohlich erscheinen als nach mehreren Rückschlägen.
Ein neues Vorhaben kann besonders vielversprechend wirken, wenn wir gerade begeistert und voller Zuversicht sind.
Die tatsächlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen müssen sich dafür nicht im gleichen Maße verändert haben.
Das bedeutet nicht, dass emotionale Einflüsse Entscheidungen grundsätzlich verschlechtern.
Gefühle können wertvolle Hinweise auf persönliche Ziele, Bedürfnisse und Erfahrungen liefern.
Entscheidend ist jedoch, ob wir ihre Bedeutung angemessen einordnen.
Die eigene Zuversicht ist kein Beweis für die Erfolgsaussichten einer Investition. Genauso wenig beweist ein Gefühl der Unsicherheit, dass eine Entscheidung wirtschaftlich falsch wäre.
Für Unternehmer wird die Regulation ihres inneren Zustands besonders relevant, weil persönliche Reaktionen häufig Konsequenzen für andere Menschen haben.
Eine gereizte Antwort, eine defensive Rechtfertigung oder eine unverhältnismäßig harte Reaktion auf Kritik bleibt nicht zwangsläufig auf den unmittelbaren Moment beschränkt.
Sie kann beeinflussen, wie Mitarbeiter künftig kommunizieren.
Wenn kritische Rückmeldungen wiederholt zu unangenehmen Reaktionen führen, könnten Mitarbeiter beginnen, Informationen zurückzuhalten oder Probleme erst dann anzusprechen, wenn sie sich nicht länger verbergen lassen.
Dadurch verändert sich möglicherweise die Qualität der Informationen, auf deren Grundlage der Geschäftsführer Entscheidungen trifft.
Dein innerer Zustand kann somit nicht nur deine eigene Wahrnehmung beeinflussen, sondern auch die Offenheit und Handlungsfähigkeit deines Umfelds.
Emotionale Selbstregulation bedeutet deshalb nicht, unangenehme Gefühle vollständig zu unterdrücken.
Sie bedeutet, diese Gefühle wahrzunehmen, ihren möglichen Informationswert zu prüfen und das eigene Verhalten angemessen zu steuern.
Wie Menschen das tun, kann sich allerdings erheblich unterscheiden.
Nicht jeder Mensch reagiert auf unangenehme Gefühle oder persönliche Verletzlichkeit auf dieselbe Weise.
Manche vermeiden die Auseinandersetzung mit ihrem inneren Erleben. Andere versuchen, mögliche Zurückweisung durch Anpassung zu verhindern. Wieder andere suchen zusätzliche Bestätigung, um ein angegriffenes Selbstgefühl auszugleichen.
Innerhalb von 9DEMONS® werden diese unterschiedlichen Mechanismen im Regulationsbereich STATE durch drei Demons beschrieben: Leere, Ablehnung und Ego.
Beim Demon der Leere steht die vermeidende Distanzierung vom eigenen inneren Erleben im Mittelpunkt.
Unangenehme Gefühle, unerfüllte Bedürfnisse oder persönliche Konflikte werden möglicherweise nicht bewusst bearbeitet, sondern zunehmend aus der eigenen Aufmerksamkeit herausgehalten.
Ein Mensch kann dadurch weiterhin leistungsfähig sein, Verpflichtungen erfüllen und nach außen einen stabilen Eindruck vermitteln.
Gleichzeitig kann der Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen und emotionalen Erfahrungen eingeschränkt sein.
Innerhalb von 9DEMONS® entspricht diese vermeidende Schutzfunktion Avoid.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht jedes Gefühl innerer Leere entsteht durch Vermeidung.
Entscheidend für den Demon ist der wiederkehrende Mechanismus, mit dem die Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben vermieden wird.
Beim Demon der Ablehnung steht die Herstellung sozialer Sicherheit im Vordergrund.
Menschen können versuchen, Kritik, Zurückweisung oder Konflikte zu verhindern, indem sie Erwartungen anderer besonders stark berücksichtigen.
Eigene Bedürfnisse und Grenzen treten dabei möglicherweise in den Hintergrund.
Solche Anpassung kann kurzfristig Zugehörigkeit und Akzeptanz sichern.
Problematisch wird sie, wenn das Bedürfnis nach sozialer Sicherheit wiederholt verhindert, notwendige Entscheidungen zu treffen oder persönliche Interessen angemessen zu vertreten.
Innerhalb von 9DEMONS® entspricht diese Schutzfunktion Stabilize.
Dabei ist gewöhnliche Rücksichtnahme nicht mit dem Demon der Ablehnung gleichzusetzen.
Der Unterschied liegt darin, ob Anpassung bewusst und angemessen erfolgt oder zunehmend benötigt wird, um die Unsicherheit möglicher Ablehnung zu begrenzen.
Beim Demon Ego kann innere Unsicherheit durch kompensatorische Selbstbestätigung reguliert werden.
Wenn das eigene Selbstbild infrage gestellt wird, entsteht möglicherweise das Bedürfnis, persönliche Stärke, Überlegenheit oder außergewöhnliche Leistungen hervorzuheben.
Status, Anerkennung und sichtbare Erfolge können dann dazu dienen, ein angegriffenes Selbstgefühl wiederherzustellen.
Dabei muss das sichtbare Verhalten keineswegs ausschließlich negativ sein.
Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und das Streben nach Anerkennung können wichtige Voraussetzungen unternehmerischer Entwicklung sein.
Problematisch wird es, wenn äußere Bestätigung zunehmend benötigt wird, um unangenehme Selbstzweifel oder persönliche Verletzlichkeit nicht erleben zu müssen.
Innerhalb von 9DEMONS® entspricht dieser Mechanismus Compensate.
Leere, Ablehnung und Ego unterscheiden sich nicht einfach darin, wie emotional, zurückhaltend oder selbstbewusst ein Mensch auftritt.
Entscheidend ist die jeweilige Schutzfunktion.
Leere kann die Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben reduzieren. Ablehnung versucht, soziale Sicherheit durch Anpassung herzustellen. Ego kann unangenehme Selbstzweifel durch zusätzliche Bestätigung ausgleichen.
Diese Reaktionen sind keine unveränderlichen Persönlichkeitseigenschaften. Sie beschreiben unterschiedliche mögliche Mechanismen im Umgang mit innerer Belastung.
Bei STATE entscheidet deshalb nicht allein, was ein Mensch fühlt. Entscheidend ist auch, welche psychologische Funktion sein Umgang mit diesen Gefühlen erfüllt.
Innere Stabilität wird häufig mit Selbstbewusstsein, Gelassenheit und emotionaler Stärke gleichgesetzt.
Doch die Fähigkeit, mit Belastung umzugehen, bedeutet nicht, dass unangenehme Gefühle verschwinden.
Auch Menschen mit einem stabilen Selbstwert erleben Enttäuschung, Angst, Scham oder Selbstzweifel.
Der Unterschied liegt vor allem darin, wie sie auf diese Erfahrungen reagieren.
Ein wichtiges Konzept ist dabei die psychologische Flexibilität.
Sie beschreibt unter anderem die Fähigkeit, auch mit unangenehmen Gedanken und Gefühlen in Kontakt zu bleiben und das eigene Verhalten weiterhin an persönlichen Werten und situationsbezogenen Anforderungen auszurichten.
Dazu gehören mehrere Fähigkeiten, die unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Wenn unangenehme Gefühle auftreten, versuchen Menschen häufig, diese möglichst schnell zu reduzieren.
Doch nicht jede Emotion muss unmittelbar verändert werden.
Enttäuschung nach einer gescheiterten Verhandlung kann eine angemessene Reaktion sein. Ebenso können Unsicherheit vor einer wichtigen Entscheidung oder Ärger über eine ungerechte Behandlung nachvollziehbar sein.
Akzeptanz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, die äußere Situation gutzuheißen oder auf Veränderung zu verzichten.
Sie bedeutet, das eigene innere Erleben zunächst zulassen zu können, ohne es zusätzlich bekämpfen oder sofort durch eine andere Erfahrung ersetzen zu müssen.
Dadurch kann Handlungsspielraum entstehen.
Denn wer unangenehme Gefühle nicht unter allen Umständen vermeiden muss, kann auch Entscheidungen treffen, die vorübergehend mit emotionaler Belastung verbunden sind.
Eine weitere relevante Fähigkeit ist das sogenannte Decentering.
Dabei geht es darum, Gedanken als mentale Ereignisse wahrzunehmen, statt ihren Inhalt unmittelbar für eine objektive Beschreibung der Wirklichkeit zu halten.
Der Gedanke, von anderen nicht respektiert zu werden, ist zunächst eine persönliche Einschätzung.
Er kann zutreffen. Er kann aber auch durch Unsicherheit, frühere Erfahrungen oder eine unvollständige Interpretation der aktuellen Situation beeinflusst sein.
Wer einen gewissen Abstand zu seinen eigenen Gedanken gewinnen kann, muss ihnen nicht automatisch folgen.
Er kann ihre Plausibilität überprüfen, weitere Informationen berücksichtigen und sein Verhalten bewusster wählen.
Nicht jeder Gedanke, der sich überzeugend anfühlt, beschreibt die Realität zuverlässig.
Ein weiteres relevantes Konzept ist Self-Compassion, häufig als Selbstmitgefühl bezeichnet.
Dabei geht es nicht darum, Fehler zu entschuldigen oder die eigenen Ansprüche aufzugeben.
Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, auf persönliche Schwierigkeiten und eigenes Scheitern mit einer angemessenen, nicht unnötig abwertenden Haltung zu reagieren.
Ein Unternehmer kann erkennen, dass eine seiner Entscheidungen erhebliche negative Konsequenzen hatte.
Er kann Verantwortung übernehmen, die Ursachen untersuchen und notwendige Veränderungen einleiten.
Dafür muss er sich nicht gleichzeitig als grundsätzlich unfähig betrachten.
Selbstverantwortung und ein respektvoller Umgang mit sich selbst schließen sich nicht aus.
Im Gegenteil: Wer eigene Fehler betrachten kann, ohne daraus unmittelbar eine persönliche Bedrohung entstehen zu lassen, kann unter Umständen offener mit unangenehmen Rückmeldungen umgehen.
Schließlich spielt eine Rolle, woran wir unser Verhalten ausrichten.
Äußere Rückmeldungen sind für persönliche und unternehmerische Entwicklung unverzichtbar.
Doch wenn die eigene Orientierung ausschließlich von Anerkennung, Erfolg oder Zustimmung anderer Menschen abhängt, kann sie stark mit äußeren Umständen schwanken.
Persönliche Werte und bewusst gewählte Maßstäbe können eine zusätzliche Grundlage schaffen.
Wer beispielsweise Ehrlichkeit und Verantwortungsübernahme zu wichtigen Führungsprinzipien erklärt, besitzt damit auch dann eine Orientierung, wenn eine notwendige Entscheidung kurzfristig auf Kritik stößt.
Das bedeutet nicht, äußere Rückmeldungen zu ignorieren.
Es bedeutet, sie bei der Bewertung des eigenen Verhaltens zu berücksichtigen, ohne sie zum alleinigen Maßstab des persönlichen Werts zu machen.
Innerhalb von STATE geht es letztlich nicht darum, möglichst wenig zu fühlen oder unter allen Umständen gelassen zu bleiben.
Entscheidend ist, wie wir mit inneren Erfahrungen umgehen, die unsere Vorstellungen von uns selbst, unsere Erwartungen oder unser Bedürfnis nach Sicherheit infrage stellen.
Ein emotional stabiler Mensch muss nicht ständig selbstbewusst sein.
Er kann Unsicherheit erleben, ohne ihr automatisch auszuweichen. Er kann Kritik berücksichtigen, ohne sich vollständig mit ihr zu identifizieren. Und er kann Verantwortung für Fehler übernehmen, ohne daraus ein Urteil über seinen gesamten persönlichen Wert abzuleiten.
Innere Stabilität entsteht nicht dadurch, dass dich nichts mehr verletzt. Sie zeigt sich darin, wie du mit dem umgehst, was dich verletzt.