9DEMONS®
Theorie

Focus

FOCUS beschreibt, wie du deine Aufmerksamkeit lenkst, Prioritäten setzt und Entscheidungen triffst. Gerade im Unternehmeralltag entscheidet dieser Bereich darüber, worauf du dich konzentrierst, was du ausblendest und wie konsequent du deinen Kurs hältst. Diesem Bereich sind die drei Demons Verzettelung, Kontrolle und Getriebenheit zugeordnet.

Mehr über Regulation: Focus

Warum deine Aufmerksamkeit über deinen Fortschritt entscheidet

Du kannst zwölf Stunden am Tag arbeiten und trotzdem kaum Fortschritte erzielen.

Nicht unbedingt, weil du ineffizient bist. Vielleicht erledigst du deine Aufgaben sogar außergewöhnlich schnell, triffst zahlreiche Entscheidungen und löst täglich Probleme, an denen andere scheitern.

Doch während du dich um operative Abläufe, Mitarbeiterfragen und kurzfristige Anforderungen kümmerst, bleiben die Entscheidungen liegen, die dein Unternehmen langfristig verändern würden.

Du kannst hervorragend darin sein, Dinge zu erledigen und trotzdem Schwierigkeiten haben, dich mit den richtigen Dingen zu beschäftigen.

Genau hier beginnt die Psychologie der Aufmerksamkeit.

Innerhalb von 9DEMONS® beschreibt FOCUS den Regulationsbereich, der beeinflusst, worauf wir unsere Aufmerksamkeit und mentalen Ressourcen richten.

Dabei geht es um weit mehr als die Fähigkeit, sich über längere Zeit zu konzentrieren.

Aufmerksamkeit entscheidet darüber, welche Informationen wir wahrnehmen, welche Probleme wir untersuchen, mit welchen Aufgaben wir uns beschäftigen und welche Möglichkeiten wir möglicherweise übersehen.

Diese Auswahl ist notwendig, denn unsere geistigen Verarbeitungskapazitäten sind begrenzt.

Wir können nicht sämtliche Informationen gleichzeitig bewusst verarbeiten. Wir müssen auswählen, was relevant ist und was vorübergehend in den Hintergrund tritt.

Besonders deutlich werden diese Grenzen bei komplexen Aufgaben, die unser Arbeitsgedächtnis beanspruchen.

Das Arbeitsgedächtnis ermöglicht es uns, Informationen kurzfristig verfügbar zu halten und gedanklich mit ihnen zu arbeiten.

Wer eine strategische Entscheidung vorbereitet, muss möglicherweise mehrere Entwicklungen gleichzeitig berücksichtigen: wirtschaftliche Kennzahlen, Wettbewerb, verfügbare Ressourcen und die möglichen Konsequenzen unterschiedlicher Optionen.

Je mehr dieser Informationen aktiv verarbeitet werden müssen, desto schwieriger wird es, zusätzliche Anforderungen mit derselben Genauigkeit zu berücksichtigen.

Die entscheidende Herausforderung besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Informationen aufzunehmen oder möglichst viele Aufgaben zu erledigen.

Sie besteht darin, unsere begrenzte Aufmerksamkeit so einzusetzen, dass sie den größten Beitrag zu unseren tatsächlichen Zielen leistet.

Warum das Dringende unsere Aufmerksamkeit gewinnt

Unsere Aufmerksamkeit folgt nicht automatisch der wirtschaftlichen Bedeutung einer Aufgabe.

Bestimmte Informationen ziehen sie unmittelbar auf sich. Andere müssen wir bewusst auswählen, obwohl sie für unsere langfristigen Ziele wesentlich relevanter sein können.

In der Psychologie unterscheidet man unter anderem zwischen zwei Formen der Aufmerksamkeitssteuerung.

Zielgerichtete Aufmerksamkeit (Top-down) orientiert sich an unseren aktuellen Absichten. Wir entscheiden bewusst, welche Informationen für eine Aufgabe notwendig sind, und versuchen, andere Reize auszublenden.

Reizgesteuerte Aufmerksamkeit (Bottom-up) wird dagegen stärker durch auffällige, unerwartete oder besonders bedeutsam erscheinende Informationen beeinflusst.

Beide Prozesse sind wichtig.

Ohne reizgesteuerte Aufmerksamkeit würden wir möglicherweise wichtige Veränderungen übersehen. Ohne zielgerichtete Aufmerksamkeit wäre es schwierig, anspruchsvolle Vorhaben trotz konkurrierender Informationen zu verfolgen.

Problematisch kann es werden, wenn die Auffälligkeit einer Information regelmäßig mit ihrer tatsächlichen Bedeutung verwechselt wird.

Eine eingehende Nachricht fordert unmittelbar Aufmerksamkeit. Eine strategische Entscheidung dagegen besitzt häufig keinen vergleichbaren Auslöser.

Eine kurzfristige Kundenanfrage macht sich bemerkbar. Die schleichende Verschlechterung der eigenen Marktposition möglicherweise erst dann, wenn ihre wirtschaftlichen Folgen längst sichtbar sind.

Dadurch kann ein Unternehmen viel Energie für Probleme einsetzen, die unmittelbar nach einer Reaktion verlangen, während langfristig bedeutsame Entwicklungen kaum Beachtung finden.

Was deine Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist nicht automatisch das, was deine Aufmerksamkeit verdient.

Dabei konkurrieren nicht nur äußere Ereignisse um unsere Aufmerksamkeit.

Auch unerledigte Aufgaben, persönliche Sorgen und offene Entscheidungen können unsere Gedanken beanspruchen.

Ein ungelöster Konflikt, eine unsichere Investition oder eine wichtige bevorstehende Verhandlung können gedanklich präsent bleiben, selbst wenn wir uns gerade mit einer völlig anderen Aufgabe beschäftigen.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, äußere Ablenkungen zu reduzieren.

Wir müssen auch erkennen, wodurch unsere Aufmerksamkeit innerlich gebunden wird und weshalb bestimmte Themen immer wieder in den Vordergrund treten.

Was ständige Aufgabenwechsel mit unserem Denken machen

Viele Unternehmer betrachten Unterbrechungen hauptsächlich als Zeitproblem.

Ein Telefonat dauert fünf Minuten. Eine Nachricht ist in einer Minute beantwortet. Eine kurze Mitarbeiterfrage scheint kaum ins Gewicht zu fallen.

Doch bei anspruchsvollen geistigen Tätigkeiten können die tatsächlichen Kosten darüber hinausgehen.

Wenn wir an einer komplexen Aufgabe arbeiten, halten wir bestimmte Informationen, Zusammenhänge und Ziele gedanklich verfügbar.

Unterbrechen wir diese Tätigkeit, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Anforderungen ausrichten.

Kehren wir anschließend zurück, benötigen wir häufig Zeit, um die ursprünglichen Informationen erneut zu aktivieren und an unsere bisherigen Überlegungen anzuknüpfen.

Die psychologische Forschung bezeichnet die zusätzlichen Anforderungen solcher Aufgabenwechsel als Switching Costs.

Wie stark sie ausfallen, hängt unter anderem von der Art der Aufgaben, ihrer Komplexität und den Bedingungen des Wechsels ab.

Ein weiterer relevanter Mechanismus wird als Attention Residue bezeichnet.

Dabei können Gedanken an eine vorherige Aufgabe bestehen bleiben, obwohl wir uns bereits einer neuen Tätigkeit zugewandt haben.

Besonders bei unerledigten Aufgaben oder offenen Fragen kann ein Teil unserer Aufmerksamkeit weiterhin mit dem vorherigen Thema beschäftigt sein.

Eine Aufgabe zu verlassen bedeutet nicht automatisch, gedanklich mit ihr abgeschlossen zu haben.

Das ist besonders relevant für Unternehmer, deren Arbeit aus zahlreichen unterschiedlichen Verantwortlichkeiten besteht.

Eine strategische Analyse stellt andere Anforderungen als ein Mitarbeitergespräch. Eine kreative Aufgabe benötigt andere Denkprozesse als die Bewertung betrieblicher Kennzahlen.

Wer ständig zwischen diesen Anforderungen wechselt, muss sich immer wieder neu orientieren.

Dabei entsteht nicht zwangsläufig bei jedem Wechsel eine erhebliche Belastung. Manche Tätigkeiten lassen sich problemlos kombinieren, und nicht jede Unterbrechung ist vermeidbar oder unerwünscht.

Anspruchsvolle Aufgaben benötigen jedoch häufig längere Phasen zusammenhängender Aufmerksamkeit.

Das erklärt auch, weshalb Multitasking bei komplexen geistigen Tätigkeiten häufig weniger effizient ist, als es sich anfühlt.

Wir erledigen dabei nicht zwangsläufig mehrere anspruchsvolle Aufgaben wirklich gleichzeitig, sondern wechseln wiederholt zwischen ihnen oder teilen begrenzte Ressourcen auf.

Dadurch können Bearbeitungszeiten steigen und zusätzliche Fehler entstehen.

Entscheidend ist deshalb nicht, jede Unterbrechung auszuschließen.

Vielmehr sollten die Arbeitsbedingungen zur Art der jeweiligen Aufgabe passen.

Komplexe strategische Entscheidungen benötigen andere Aufmerksamkeitsbedingungen als wiederkehrende administrative Tätigkeiten.

Wer diesen Unterschied berücksichtigt, kann seine geistigen Ressourcen wesentlich gezielter einsetzen.

Wie Kontrolle deine Aufmerksamkeit bindet

Mit zunehmender Unternehmensgröße verändert sich die Bedeutung persönlicher Aufmerksamkeit.

Während in der Gründungsphase häufig die eigene operative Leistung im Vordergrund steht, wird es später immer wichtiger, Verantwortung zu verteilen und Entscheidungen durch andere Menschen treffen zu lassen.

Doch nicht jeder Unternehmer verändert seine Aufmerksamkeitssteuerung entsprechend.

Manche bleiben an operativen Einzelheiten beteiligt, obwohl ihr Unternehmen längst über geeignete Mitarbeiter und Führungskräfte verfügt.

Sie überprüfen Ergebnisse, kontrollieren Prozesse, korrigieren Entscheidungen und möchten über möglichst viele Entwicklungen persönlich informiert bleiben.

Dahinter kann ein nachvollziehbarer Anspruch stehen: Risiken frühzeitig erkennen, Qualität gewährleisten und wirtschaftliche Fehlentwicklungen verhindern.

Kontrolle ist deshalb keineswegs grundsätzlich problematisch.

Sie benötigt jedoch Aufmerksamkeit.

In der Psychologie bezeichnet Monitoring die fortlaufende Beobachtung und Überprüfung von Informationen oder Prozessen.

Monitoring kann dazu beitragen, Abweichungen zu erkennen und das eigene Verhalten anzupassen.

Doch jede zusätzliche Überprüfung beansprucht kognitive Ressourcen.

Wer zahlreiche Abläufe persönlich überwacht, muss Informationen aufnehmen, Veränderungen bewerten und entscheiden, ob ein Eingreifen notwendig ist.

Je mehr dieser Aufgaben ein Unternehmer übernimmt, desto weniger Aufmerksamkeit bleibt für andere Anforderungen.

Du kannst so viel Zeit damit verbringen, die Arbeit anderer zu kontrollieren, dass du die Verantwortung für deine eigenen Prioritäten vernachlässigst.

Besonders problematisch wird das, wenn zusätzliche Informationen nicht mehr zu entsprechend besseren Entscheidungen führen.

Nicht jede Abweichung ist bedeutsam. Nicht jede Kennzahl benötigt eine tägliche Überprüfung. Und nicht jeder Fehler verlangt eine persönliche Reaktion des Geschäftsführers.

Wer auf sämtliche Veränderungen unmittelbar reagiert, kann sogar neue Unruhe in Abläufe bringen, die grundsätzlich zuverlässig funktionieren.

Der Unterschied zwischen wirksamer Führung und Mikromanagement liegt deshalb nicht darin, ob kontrolliert wird.

Entscheidend ist, welche Informationen tatsächlich relevant sind, wer Verantwortung trägt und bei welchen Abweichungen ein Eingreifen notwendig ist.

Klare Entscheidungsbefugnisse, geeignete Kennzahlen und sinnvolle Kontrollintervalle können dafür sorgen, dass ein Unternehmen zuverlässig gesteuert wird, ohne sämtliche Entscheidungen an eine Person zu binden.

Aufmerksamkeit wird dadurch zu einer strategischen Führungsressource.

Eine wachsende Organisation benötigt nicht zwangsläufig mehr persönliche Aufmerksamkeit ihres Gründers. Sie benötigt Strukturen, die dessen Aufmerksamkeit an den entscheidenden Stellen verfügbar machen.

Warum Beschäftigung so leicht mit Fortschritt verwechselt wird

Ein voller Kalender vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden.

Abgeschlossene Aufgaben erzeugen sichtbare Ergebnisse. Gelöste Probleme bestätigen die eigene Kompetenz.

All das kann dazu beitragen, dass sich ein Arbeitstag produktiv anfühlt.

Doch der Umfang unserer Beschäftigung sagt nur begrenzt etwas darüber aus, welchen Beitrag wir tatsächlich zu unseren langfristigen Zielen leisten.

Dafür müssen wir zwischen Effizienz und Priorisierung unterscheiden.

Effizienz beschreibt, wie wirtschaftlich wir Ressourcen bei einer bestimmten Tätigkeit einsetzen.

Priorisierung entscheidet dagegen, welche Tätigkeiten diese Ressourcen überhaupt erhalten sollten.

Beides gehört zusammen.

Ein Unternehmer kann ausgesprochen effizient in der Optimierung interner Abläufe sein. Wenn jedoch die größte wirtschaftliche Herausforderung seines Unternehmens in einer schwachen Marktposition liegt, wird zusätzliche Prozesseffizienz dieses Problem möglicherweise nicht lösen.

Die Tätigkeit kann sinnvoll sein, ohne die aktuell wichtigste zu sein.

In der Wirtschaftswissenschaft beschreibt der Begriff Opportunitätskosten den entgangenen Nutzen der besten nicht gewählten Alternative.

Dieses Prinzip gilt auch für Aufmerksamkeit.

Jede Stunde, die wir einer bestimmten Aufgabe widmen, steht uns nicht gleichzeitig für andere anspruchsvolle Tätigkeiten zur Verfügung.

Der tatsächliche Preis einer Aufgabe besteht deshalb nicht ausschließlich aus ihrer Bearbeitungszeit.

Er umfasst auch die Möglichkeiten, die währenddessen nicht verfolgt werden können.

Eine Aufgabe kann wertvoll sein und trotzdem nicht die beste Verwendung deiner Aufmerksamkeit darstellen.

Daraus folgt allerdings nicht, dass sich jede Arbeitsstunde unmittelbar in Umsatz oder Gewinn übersetzen lassen muss.

Auch Mitarbeiterentwicklung, strategische Vorbereitung, Beziehungspflege und Erholung können einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Unternehmensentwicklung leisten.

Die Herausforderung besteht vielmehr darin, zwischen kurzfristig sichtbarer Aktivität und tatsächlicher Bedeutung zu unterscheiden.

Genau an dieser Stelle können unterschiedliche psychologische Schutzmechanismen unsere Aufmerksamkeitssteuerung beeinflussen.

Drei unterschiedliche Mechanismen gestörten Fokus

Nicht jede ungünstige Verteilung von Aufmerksamkeit entsteht aus mangelnder Konzentrationsfähigkeit.

Manchmal richtet sich unsere Aufmerksamkeit wiederholt auf neue Möglichkeiten. Manchmal bleibt sie an übermäßiger Kontrolle gebunden. Und manchmal wird die ständige Beschäftigung selbst zu etwas, das wir kaum noch aufgeben möchten.

Innerhalb von 9DEMONS® werden diese unterschiedlichen Mechanismen im Regulationsbereich FOCUS durch drei Demons beschrieben: Verzettelung, Kontrolle und Getriebenheit.

Verzettelung: Schutz durch Ausweichen

Bei Verzettelung verteilt sich die Aufmerksamkeit immer wieder auf neue Aufgaben, Ideen oder Möglichkeiten.

Die Schwierigkeit besteht nicht zwingend darin, dass diese Tätigkeiten uninteressant oder unwichtig wären.

Vielmehr kann die Beschäftigung mit Alternativen dazu dienen, einer bestimmten Anforderung auszuweichen.

Solange neue Möglichkeiten untersucht werden, muss möglicherweise keine verbindliche Priorität gesetzt oder unangenehme Hauptaufgabe bearbeitet werden.

Der Aufmerksamkeitswechsel kann dadurch eine vermeidende Funktion erfüllen.

Innerhalb von 9DEMONS® entspricht dieser Mechanismus Avoid.

Kontrolle: Schutz durch Absicherung

Bei Kontrolle wird Aufmerksamkeit durch die fortlaufende Überprüfung und Steuerung von Informationen, Prozessen oder anderen Menschen gebunden.

Der Unternehmer möchte Fehler möglichst früh erkennen und unerwünschte Entwicklungen verhindern.

Deshalb kann es ihm schwerfallen, Informationen ungeprüft zu lassen oder Entscheidungen vollständig abzugeben.

Was zunächst Sicherheit vermittelt, kann jedoch dazu führen, dass immer größere Teile seiner Aufmerksamkeit für Aufgaben benötigt werden, die nicht zwingend seine persönliche Beteiligung erfordern.

Innerhalb von 9DEMONS® entspricht diese Schutzfunktion Stabilize.

Getriebenheit: Schutz durch Aktivität

Getriebenheit unterscheidet sich von gewöhnlicher Leistungsbereitschaft.

Hier kann ständige Aktivität eine kompensatorische Funktion übernehmen.

Neue Aufgaben, volle Arbeitstage und zusätzliche Verpflichtungen vermitteln möglicherweise ein Gefühl von Fortschritt, Leistungsfähigkeit oder persönlicher Wirksamkeit.

Phasen ohne unmittelbare Beschäftigung können dagegen unangenehm erscheinen.

Dadurch kann der Drang entstehen, immer weiterzuarbeiten, selbst wenn zusätzliche Tätigkeiten keinen entsprechenden Nutzen mehr erzeugen.

Innerhalb von 9DEMONS® entspricht dieser Mechanismus Compensate.

Warum die Funktion wichtiger ist als das Verhalten

Alle drei Demons können zu einem hohen Aktivitätsniveau führen.

Doch Verzettelung kann durch wechselnde Möglichkeiten von einer wichtigen Aufgabe wegführen. Kontrolle bindet Aufmerksamkeit an zusätzliche Absicherung. Getriebenheit kann fortlaufende Beschäftigung als positiven Ausgleich begünstigen.

Diese Unterschiede lassen sich nicht zuverlässig allein aus der Anzahl erledigter Aufgaben oder der Länge eines Arbeitstags ableiten.

Auch kann sich dasselbe Verhalten aus unterschiedlichen Gründen entwickeln.

Entscheidend ist, welche psychologische Funktion die Aufmerksamkeitssteuerung erfüllt und wodurch sie aufrechterhalten wird.

Wie wirksame Aufmerksamkeitssteuerung entsteht

Viele Maßnahmen zur Verbesserung des Fokus setzen unmittelbar bei äußeren Ablenkungen an.

Benachrichtigungen werden deaktiviert, Aufgaben in Zeitblöcke aufgeteilt und Arbeitsplätze möglichst störungsfrei gestaltet.

Solche Maßnahmen können hilfreich sein.

Doch sie lösen nicht zwangsläufig das grundlegende Problem.

Wer sich regelmäßig mit unwichtigen Aufgaben beschäftigt, kann auch in einem vollständig störungsfreien Raum ausgesprochen unproduktiv arbeiten.

Deshalb benötigt wirksame Aufmerksamkeitssteuerung zunächst Klarheit darüber, welche Ergebnisse tatsächlich erreicht werden sollen.

Erst daraus lässt sich ableiten, welche Informationen, Tätigkeiten und Entscheidungen Aufmerksamkeit verdienen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die exekutive Kontrolle.

Damit bezeichnet die Psychologie verschiedene Prozesse, die uns ermöglichen, unser Denken und Handeln an Zielen auszurichten. Dazu gehören unter anderem das Aufrechterhalten relevanter Informationen, das Hemmen ungeeigneter Reaktionen und das flexible Anpassen unseres Vorgehens.

Diese Funktionen helfen uns, bei einer wichtigen Aufgabe zu bleiben, obwohl andere Reize um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren.

Gleichzeitig ermöglichen sie, eine ursprüngliche Vorgehensweise zu verändern, wenn neue Informationen dies rechtfertigen.

Denn gute Aufmerksamkeitssteuerung bedeutet nicht, unabhängig von allen Umständen möglichst lange konzentriert zu bleiben.

Ein Unternehmer muss unterscheiden können, wann er eine begonnene Aufgabe konsequent weiterverfolgen sollte und wann eine neue Entwicklung tatsächlich wichtiger geworden ist.

Diese Fähigkeit wird unter anderem mit kognitiver Flexibilität in Verbindung gebracht.

Sie erlaubt es, zwischen unterschiedlichen Anforderungen und Perspektiven zu wechseln, ohne die übergeordneten Ziele aus dem Blick zu verlieren.

Wirksamer Fokus benötigt sowohl die Fähigkeit, bei einer Sache zu bleiben, als auch die Fähigkeit, sich im richtigen Moment bewusst von ihr zu lösen.

Dazu gehört auch, die eigene Aufmerksamkeit nicht dauerhaft zu überlasten.

Anspruchsvolle geistige Arbeit benötigt Ressourcen, die nicht unbegrenzt mit derselben Intensität verfügbar sind.

Phasen konzentrierter Arbeit, der gezielte Wechsel zu weniger anspruchsvollen Tätigkeiten und ausreichende Erholung können dazu beitragen, diese Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Das Ziel besteht deshalb nicht darin, jede verfügbare Minute maximal auszulasten.

Es besteht darin, die eigene Aufmerksamkeit dort verfügbar zu haben, wo sie tatsächlich benötigt wird.

Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel du arbeitest

Unternehmerischer Fortschritt hängt nicht ausschließlich davon ab, wie konsequent wir handeln.

Er hängt auch davon ab, welche Probleme wir überhaupt bearbeiten, welchen Möglichkeiten wir Aufmerksamkeit schenken und welche Entscheidungen wir bewusst anderen Menschen überlassen.

Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, ist dafür wichtig. Sie reicht jedoch nicht aus.

Wer ausschließlich seine Konzentrationsfähigkeit verbessert, ohne seine Prioritäten zu überprüfen, wird möglicherweise nur effizienter darin, sich mit den falschen Dingen zu beschäftigen.

FOCUS beschreibt deshalb nicht einfach, wie gut du dich konzentrieren kannst. Er beschreibt, wie du deine begrenzte Aufmerksamkeit steuerst – und welchen Einfluss diese Steuerung auf deine tatsächliche Handlungsfähigkeit hat.
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Tiefer ins 9D-Modell