Im 9DEMONS® Modell beschreibt COPING, wie du mit innerem Druck, Unsicherheit und unangenehmen Gefühlen umgehst. Die drei Bewältigungsstrategien AVOID (Vermeidung), STABILIZE (Absicherung) und COMPENSATE (Kompensation) zeigen, wie du unbewusst versuchst, dich vor Belastungen zu schützen, und warum genau diese Reaktionen zu Selbstsabotage führen können.
Menschen handeln nicht immer so, dass sie ihre Probleme möglichst schnell lösen. Manchmal handeln sie vor allem so, dass sich diese Probleme weniger bedrohlich anfühlen.
Wir vermeiden unangenehme Auseinandersetzungen, versuchen Unsicherheit durch zusätzliche Kontrolle zu reduzieren oder suchen nach positiven Erfahrungen, die unsere innere Anspannung ausgleichen.
Solche Reaktionen können durchaus sinnvoll sein. Sie helfen uns, mit schwierigen Situationen umzugehen und auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben.
Doch sie können auch eine paradoxe Wirkung entfalten.
Was uns kurzfristig vor einer unangenehmen Erfahrung schützt, kann langfristig genau die Entwicklung verhindern, die wir eigentlich erreichen möchten.
Mit der psychologischen Bewältigung von Belastungen beschäftigt sich die Coping-Forschung.
Coping bezeichnet die gedanklichen und verhaltensbezogenen Bemühungen, mit inneren oder äußeren Anforderungen umzugehen, die wir als belastend erleben oder die unsere verfügbaren Ressourcen beanspruchen.
Dabei geht es nicht ausschließlich um den Versuch, unangenehme Gefühle zu vermeiden.
Coping kann bedeuten, Probleme aktiv zu lösen, Unterstützung zu suchen, die eigene Perspektive zu verändern oder sich an eine Situation anzupassen, die wir nicht unmittelbar beeinflussen können.
Eine grundlegende Unterscheidung der Coping-Forschung betrifft deshalb zwei unterschiedliche Formen der Bewältigung.
Problemorientiertes Coping richtet sich auf die belastende Situation selbst. Es versucht, deren Ursachen oder konkrete Bedingungen zu verändern.
Emotionsorientiertes Coping richtet sich dagegen auf den Umgang mit den emotionalen Folgen einer Situation. Es kann helfen, Belastung zu verarbeiten und die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten.
Beide Formen können notwendig sein und sich gegenseitig ergänzen.
Schließlich lässt sich nicht jedes Problem sofort lösen. Gleichzeitig reicht es bei vielen Herausforderungen nicht aus, lediglich den eigenen emotionalen Zustand zu verändern.
Die entscheidende Frage ist deshalb, welche Form der Bewältigung eine bestimmte Situation tatsächlich erfordert.
Nicht jede schwierige Situation wird von jedem Menschen gleichermaßen als belastend empfunden.
Was für den einen eine überschaubare Herausforderung darstellt, kann für einen anderen erhebliche Unsicherheit auslösen.
Diese Unterschiede hängen nicht ausschließlich mit persönlichen Eigenschaften zusammen. Entscheidend ist auch, wie wir die Anforderungen einer Situation bewerten und welche Möglichkeiten wir sehen, damit umzugehen.
Ein wichtiges Erklärungsmodell liefert das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus und Susan Folkman.
Es beschreibt Stress als Ergebnis einer Wechselbeziehung zwischen einer Person und ihrer Umwelt.
Dabei spielen zwei Bewertungsprozesse eine zentrale Rolle.
Bei der sogenannten Primary Appraisal beurteilen wir zunächst die Bedeutung einer Situation.
Ist sie für unsere Ziele und Bedürfnisse relevant? Droht uns ein Verlust? Ist bereits ein Schaden entstanden? Oder erkennen wir darin eine Herausforderung, die trotz ihrer Anforderungen Entwicklungsmöglichkeiten bietet?
Eine unternehmerische Entscheidung kann beispielsweise nicht nur wirtschaftliche Risiken enthalten.
Sie kann auch das eigene Bedürfnis nach Sicherheit, Unabhängigkeit oder Anerkennung berühren.
Wer seinen geschäftlichen Erfolg stark mit dem persönlichen Selbstwert verbindet, könnte eine öffentliche Niederlage deshalb als wesentlich bedrohlicher erleben als jemand, der zwischen seiner Leistung und seinem persönlichen Wert stärker unterscheidet.
Die tatsächlichen wirtschaftlichen Konsequenzen müssen sich dafür nicht unterscheiden.
Eine Situation wird nicht allein dadurch belastend, was objektiv geschieht, sondern auch dadurch, was das Ereignis für uns persönlich bedeutet.
Bei der Secondary Appraisal schätzen wir ein, welche Bewältigungsmöglichkeiten uns zur Verfügung stehen.
Dazu gehören unsere Fähigkeiten, Erfahrungen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen, soziale Unterstützung und mögliche Handlungsalternativen.
Eine schwierige Verhandlung kann beispielsweise weniger bedrohlich erscheinen, wenn ausreichend wirtschaftliche Alternativen vorhanden sind.
Dasselbe gilt für Entscheidungen unter Unsicherheit: Je stärker wir darauf vertrauen, mit möglichen negativen Konsequenzen umgehen zu können, desto anders können wir das damit verbundene Risiko erleben.
Dabei ist nicht ausschließlich entscheidend, über welche Ressourcen wir tatsächlich verfügen.
Auch unsere Einschätzung dieser Ressourcen beeinflusst unser Erleben.
Menschen können ihre Handlungsmöglichkeiten unterschätzen, Risiken überschätzen oder bestimmte Alternativen zunächst übersehen.
Umgekehrt können sie sich überschätzen und notwendige Vorsichtsmaßnahmen vernachlässigen.
Die Einschätzung einer Situation ist kein endgültiges Urteil.
Neue Informationen, veränderte Umstände oder zusätzliche Erfahrungen können dazu führen, dass wir eine ursprüngliche Bewertung korrigieren.
In der Stressforschung wird dieser Prozess als Reappraisal bezeichnet.
Eine Herausforderung, die zunächst kaum bewältigbar erscheint, kann nach einer genaueren Analyse deutlich handhabbarer wirken.
Nicht unbedingt, weil sich die äußere Situation verändert hat, sondern weil wir unsere Handlungsmöglichkeiten inzwischen anders einschätzen.
Coping beginnt deshalb nicht erst mit unserer sichtbaren Reaktion auf eine Belastung. Bereits die Bewertung dessen, was uns bedroht und was wir dagegen tun können, beeinflusst unsere Bewältigung.
Doch weshalb greifen Menschen bei vergleichbaren Belastungen immer wieder auf bestimmte Strategien zurück?
Unsere bevorzugten Bewältigungsstrategien entstehen nicht zufällig.
Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Erfahrungen damit, welche Reaktionen uns helfen, schwierige Situationen zu bewältigen.
Manche dieser Erfahrungen machen wir selbst. Andere entstehen dadurch, dass wir beobachten, wie Menschen in unserem Umfeld auf Konflikte, Unsicherheit oder Fehler reagieren.
Die Psychologie bezeichnet diesen zweiten Prozess unter anderem als Beobachtungslernen.
Wer häufig erlebt, dass sorgfältige Vorbereitung zu positiven Ergebnissen führt, kann lernen, sich bei Unsicherheit besonders gründlich abzusichern.
Wer wiederholt erfahren hat, dass unangenehme Auseinandersetzungen nach einiger Zeit von selbst verschwinden, könnte Rückzug als wirksame Bewältigung betrachten.
Und wer für besondere Leistungen viel Anerkennung erhält, kann zunehmend auf Erfolgserlebnisse zurückgreifen, wenn sein Selbstgefühl unter Druck gerät.
Solche Erfahrungen führen nicht automatisch zu bestimmten späteren Verhaltensweisen. Sie können jedoch beeinflussen, welche Reaktionen uns vertraut, zuverlässig und sicher erscheinen.
Was wir für unsere natürliche Reaktion halten, kann eine Strategie sein, deren Wirksamkeit wir irgendwann gelernt haben.
Ein wichtiger Mechanismus ist die Generalisierung.
Dabei übertragen wir gelernte Reaktionen auf neue Situationen, die uns in bestimmten Merkmalen vertraut erscheinen.
Das ist grundsätzlich sinnvoll.
Wir müssen schließlich nicht bei jeder Herausforderung vollständig von vorn beginnen, sondern können auf bisherige Erfahrungen zurückgreifen.
Schwierigkeiten können entstehen, wenn wir eine vertraute Strategie auch dort einsetzen, wo andere Bedingungen gelten.
Intensive Kontrolle kann in einer kritischen Unternehmensphase notwendig sein. Wird sie jedoch dauerhaft auf sämtliche betrieblichen Entscheidungen übertragen, kann sie Eigenverantwortung und Wachstum begrenzen.
Ebenso kann Zurückhaltung in einem eskalierenden Konflikt hilfreich sein. Wird sie zur grundsätzlichen Reaktion auf jede Form von Auseinandersetzung, bleiben möglicherweise wichtige Probleme ungelöst.
Die ursprüngliche Strategie muss dafür nicht falsch gewesen sein.
Sie kann unter früheren Bedingungen angemessen gewesen sein und unter heutigen Bedingungen ihre Wirkung verlieren.
Eine Schutzstrategie kann sich richtig anfühlen, weil sie vertraut ist – nicht unbedingt, weil sie in der aktuellen Situation die beste Wahl darstellt.
Damit ist jedoch noch nicht erklärt, weshalb wir manche Verhaltensweisen selbst dann wiederholen, wenn wir ihre Nachteile längst erkannt haben.
Dafür müssen wir betrachten, was unmittelbar nach unserem Verhalten geschieht.
Unser Verhalten wird nicht nur von bewussten Überzeugungen und langfristigen Zielen beeinflusst.
Auch seine unmittelbaren Konsequenzen können entscheidend dafür sein, ob wir eine bestimmte Reaktion in Zukunft wiederholen.
Die Lernpsychologie beschäftigt sich mit diesem Zusammenhang unter anderem durch das Prinzip der Verstärkung.
Dabei werden zwei grundlegende Prozesse unterschieden.
Positive Verstärkung liegt vor, wenn ein Verhalten durch eine angenehme Konsequenz wahrscheinlicher wird.
Anerkennung, Erfolgserlebnisse oder andere positiv bewertete Erfahrungen können dazu beitragen, dass wir bestimmte Verhaltensweisen wiederholen.
Negative Verstärkung liegt vor, wenn ein Verhalten dadurch begünstigt wird, dass etwas Unangenehmes reduziert oder beendet wird.
Das kann beispielsweise die Verringerung von Angst, Anspannung oder Unsicherheit sein.
Negative Verstärkung ist nicht mit Bestrafung gleichzusetzen. Das Wort „negativ“ beschreibt hier das Wegfallen eines unangenehmen Zustands.
Beide Prozesse können dazu beitragen, dass sich bestimmte Bewältigungsstrategien verfestigen.
Nehmen wir das Bedürfnis nach Kontrolle.
Unsicherheit kann unangenehm sein, besonders wenn wichtige wirtschaftliche Ergebnisse von Entscheidungen anderer Menschen abhängen.
Zusätzliche Überprüfung vermittelt unter Umständen das Gefühl, Risiken besser einschätzen und mögliche Fehler verhindern zu können.
Sinkt dadurch die persönliche Anspannung, kann genau diese Entlastung das Kontrollverhalten verstärken.
Ähnliches ist bei vermeidendem Verhalten möglich.
Wer eine unangenehme Auseinandersetzung verschiebt, muss sich zunächst nicht mit möglichen negativen Reaktionen beschäftigen.
Das Problem besteht möglicherweise unverändert fort. Die unmittelbare Belastung fällt jedoch vorübergehend geringer aus.
Auch kompensatorische Reaktionen können durch ihre Konsequenzen begünstigt werden.
Zusätzliche Leistung, Anerkennung oder vertraute Annehmlichkeiten können angenehme Erfahrungen erzeugen, die einen belastenden inneren Zustand vorübergehend in den Hintergrund treten lassen.
Eine Schutzstrategie muss das eigentliche Problem nicht lösen, um sich psychologisch erfolgreich anzufühlen.
Genau darin liegt eine mögliche Schwierigkeit.
Die unmittelbare Wirkung einer Schutzstrategie ist häufig leichter wahrzunehmen als ihre langfristigen Folgen.
Erleichterung nach einer verschobenen Auseinandersetzung tritt unmittelbar ein. Die Schäden für eine Geschäftsbeziehung zeigen sich möglicherweise erst Wochen später.
Zusätzliche Kontrolle kann sofort das Sicherheitsgefühl erhöhen. Dass sie langfristig Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit anderer Menschen begrenzt, wird möglicherweise erst mit zunehmender Unternehmensgröße sichtbar.
Die Strategie kann sich deshalb im Moment bewähren, während sie über längere Zeit neue Schwierigkeiten entstehen lässt.
Unter bestimmten Bedingungen entwickelt sich daraus ein sich selbst verstärkender Prozess:
Belastung → Schutzreaktion → kurzfristige Entlastung → erhöhte Wahrscheinlichkeit derselben Reaktion
Wenn die langfristigen Folgen anschließend neue Belastungen erzeugen, kann der Rückgriff auf die vertraute Strategie zusätzlich begünstigt werden.
Solche Kreisläufe entstehen jedoch nicht zwangsläufig.
Schutzreaktionen können tatsächlich Probleme verhindern, Belastungen reduzieren und die persönliche Handlungsfähigkeit erhalten.
Problematisch ist nicht die Entlastung selbst, sondern die mögliche Diskrepanz zwischen dem kurzfristigen Nutzen und den langfristigen Konsequenzen.
Dieser Zusammenhang erklärt auch, weshalb Einsicht allein häufig nicht ausreicht, um ein Verhalten dauerhaft zu verändern.
Wer eine vertraute Schutzreaktion unterlässt, muss möglicherweise zunächst die Belastung erleben, die er bisher damit reduziert hat.
Neue Verhaltensweisen werden deshalb oft erst dann zuverlässig verfügbar, wenn mit ihnen eigene Erfahrungen gesammelt werden.
Coping ist ein notwendiger Bestandteil menschlicher Anpassungsfähigkeit.
Ohne psychologische Bewältigungsstrategien wären wir zahlreichen Herausforderungen weitgehend ausgeliefert.
Doch nicht jede Form der Bewältigung ist unter allen Bedingungen gleichermaßen hilfreich.
Die Coping-Forschung beschäftigt sich deshalb auch mit der Passung zwischen einer Strategie und den Anforderungen der jeweiligen Situation.
Eine vorübergehende Distanzierung kann beispielsweise helfen, nach einer belastenden Erfahrung wieder handlungsfähig zu werden.
Dauerhaftes Ausweichen kann dagegen dazu führen, dass sich ein lösbares Problem weiter verschärft.
Zusätzliche Absicherung kann erhebliche Risiken reduzieren. Sie kann aber auch immer mehr Ressourcen beanspruchen, ohne einen entsprechenden Sicherheitsgewinn zu ermöglichen.
Positive Erfahrungen können einen wichtigen Ausgleich zu Belastungen schaffen. Problematisch kann es werden, wenn sie regelmäßig an die Stelle einer notwendigen Auseinandersetzung treten.
Die Unterschiede lassen sich nicht zuverlässig anhand des sichtbaren Verhaltens allein erkennen.
Entscheidend sind insbesondere die psychologische Funktion, die situative Angemessenheit und die längerfristigen Konsequenzen einer Reaktion.
Eine besondere Schwierigkeit entsteht, wenn sich das Verhalten zunehmend darauf ausrichtet, einen bestimmten inneren Zustand herzustellen.
Dann geht es möglicherweise nicht mehr primär darum, eine unternehmerische Herausforderung angemessen zu bewältigen.
Stattdessen soll zunächst vollständige Sicherheit entstehen, mögliche Ablehnung ausgeschlossen oder ein unangenehmes Selbstgefühl durch zusätzliche Bestätigung verändert werden.
Damit verschiebt sich der Maßstab.
Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich, welche Handlung das Problem tatsächlich löst.
Entscheidend wird zunehmend, welche Handlung sich ausreichend sicher, angenehm oder bestätigend anfühlt.
Selbstsabotage kann entstehen, wenn die Regulation der eigenen Belastung wiederholt Vorrang vor der angemessenen Bearbeitung ihrer Ursache erhält.
Das bedeutet nicht, dass wir unangenehme Gefühle grundsätzlich ignorieren oder überwinden müssen.
Manchmal sind sie wichtige Hinweise darauf, dass unsere Ressourcen erschöpft, Risiken zu hoch oder persönliche Grenzen erreicht sind.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst wenig Schutzverhalten zu zeigen.
Entscheidend ist, ob uns unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und ob wir diese passend zur jeweiligen Situation einsetzen können.
In der Psychologie wird dieser Zusammenhang unter anderem mit Coping-Flexibilität beschrieben.
Sie betrifft die Fähigkeit, Bewältigungsstrategien an unterschiedliche Anforderungen anzupassen und bei Bedarf zu verändern, wenn sie nicht den gewünschten Nutzen erzielen.
Eine hilfreiche Strategie muss also nicht grundsätzlich aufgegeben werden, nur weil sie in bestimmten Situationen problematisch geworden ist.
Es kann ausreichen, ihre Anwendung bewusster zu steuern und das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern.
Die psychologische Forschung unterscheidet zahlreiche Bewältigungsformen und untersucht sie aus unterschiedlichen Perspektiven.
9DEMONS® verwendet eine eigene Systematisierung, um wiederkehrende Mechanismen unternehmerischer Selbstsabotage zu beschreiben.
Dabei unterscheiden wir drei grundlegende Schutzstrategien:
AVOID, STABILIZE und COMPENSATE.
Diese Kategorien bilden keine allgemein anerkannte oder vollständige wissenschaftliche Klassifikation menschlichen Copings.
Sie beschreiben innerhalb des 9DEMONS®-Modells drei unterschiedliche Wege, auf wahrgenommene Bedrohung und innere Belastung zu reagieren.
Bei Avoid wird versucht, die Konfrontation mit einer unangenehmen Situation oder inneren Erfahrung zu reduzieren.
Das kann durch Aufschub, Ablenkung oder inneren Rückzug geschehen.
Die Schutzfunktion entsteht dadurch, dass der Kontakt mit dem als belastend empfundenen Auslöser vorübergehend eingeschränkt wird.
Vermeidung kann unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein. Problematisch wird sie, wenn notwendige Auseinandersetzungen wiederholt ausbleiben und die ursprüngliche Schwierigkeit dadurch bestehen bleibt oder zunimmt.
Avoid reduziert die Konfrontation mit dem, was als bedrohlich erlebt wird.
Bei Stabilize wird versucht, die Unsicherheit einer Situation durch zusätzliche Struktur, Kontrolle oder Anpassung zu begrenzen.
Die belastende Situation wird nicht zwangsläufig verlassen. Stattdessen sollen ihre Bedingungen möglichst beherrschbar werden.
Sorgfältige Vorbereitung, klare Regeln und soziale Rücksichtnahme können dabei ausgesprochen hilfreich sein.
Problematisch wird die Strategie, wenn die Anforderungen an Sicherheit immer weiter steigen und dadurch notwendige Entscheidungen, Veränderungen oder eigenständiges Handeln erschwert werden.
Stabilize versucht, die wahrgenommene Bedrohung durch kontrollierbare Bedingungen zu begrenzen.
Bei Compensate wird ein unangenehmer innerer Zustand durch andere, positiv erlebte Erfahrungen ausgeglichen.
Dazu können persönliche Erfolge, intensive Aktivität, Anerkennung oder vertraute Annehmlichkeiten gehören.
Der ursprüngliche Auslöser der Belastung muss dadurch nicht verändert werden.
Die kompensatorische Erfahrung kann jedoch dazu beitragen, dass die Belastung vorübergehend weniger stark erlebt wird.
Das ist nicht grundsätzlich problematisch. Schwierigkeiten können entstehen, wenn der positive Ausgleich wiederholt eine notwendige Veränderung ersetzt oder zunehmend benötigt wird, um das eigene innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Compensate versucht, die unangenehme Wirkung einer Erfahrung durch eine andere, positiv erlebte Erfahrung auszugleichen.
Dieselbe Handlung kann unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Intensive Vorbereitung kann der tatsächlichen Verbesserung eines Ergebnisses dienen.
Sie kann aber auch eingesetzt werden, um eine unangenehme Entscheidung hinauszuschieben oder das verbleibende Gefühl von Unsicherheit immer weiter zu reduzieren.
Ebenso kann hohe Arbeitsbereitschaft Ausdruck echter Begeisterung sein oder dazu dienen, persönliche Unzufriedenheit durch ständige Aktivität zu überdecken.
Das sichtbare Verhalten allein erklärt deshalb noch nicht, welche Schutzstrategie wirksam ist.
Entscheidend ist, welche Belastung eine Person erlebt, welches Ergebnis sie durch ihr Verhalten unmittelbar erreicht und wodurch dieses Verhalten aufrechterhalten wird.
Auch schließen sich Avoid, Stabilize und Compensate im tatsächlichen Erleben nicht gegenseitig aus.
Menschen können unterschiedliche Strategien einsetzen, zwischen ihnen wechseln oder mehrere Mechanismen gleichzeitig zeigen.
Das 9DEMONS®-Modell ordnet diese Schutzstrategien deshalb nicht als feste Persönlichkeitstypen zu, sondern betrachtet ihre jeweilige Bedeutung innerhalb unterschiedlicher Regulationsbereiche.
Eine Schutzstrategie verliert ihren Nutzen nicht allein deshalb, weil sie automatisch abläuft.
Viele gewohnte Reaktionen helfen uns, mit Belastungen effizient umzugehen, ohne jede Situation bewusst analysieren zu müssen.
Schwierig wird es, wenn bestimmte Reaktionen kaum noch hinterfragt werden und zunehmend alternativlos erscheinen.
Dann kann Vermeidung notwendig wirken, obwohl eine Auseinandersetzung möglich wäre.
Zusätzliche Absicherung erscheint unverzichtbar, obwohl bereits ausreichend Informationen vorliegen.
Oder weitere Bestätigung wird benötigt, obwohl der eigene Wert nicht von einem zusätzlichen Erfolg abhängen müsste.
Die entscheidende Veränderung besteht deshalb nicht darin, sämtliche Schutzmechanismen zu beseitigen.
Es geht darum, ihre Funktion zu erkennen, ihre tatsächliche Wirksamkeit zu überprüfen und zusätzliche Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Die stärkste Form psychologischer Selbstführung besteht nicht darin, niemals Schutz zu brauchen. Sondern darin, nicht dauerhaft von einer bestimmten Schutzstrategie abhängig zu sein.
Genau hier verbinden sich die beiden Dimensionen von 9DEMONS®.
REGULATION beschreibt, welcher Bereich der Selbststeuerung betroffen ist: Drive, Focus oder State.
COPING beschreibt, welche Schutzstrategie innerhalb dieses Bereichs zum Einsatz kommt: Avoid, Stabilize oder Compensate.
Aus ihrer Kombination entstehen die neun Demons des 9DEMONS®-Modells.
Um ihre psychologischen Unterschiede genauer zu verstehen, betrachten wir die drei Strategien anschließend einzeln – beginnend mit AVOID, dem Schutz durch Vermeidung.